Im Plattenregal: Dum Dum Girls – Too True

DumDumGirls
Eigentlich habe ich mir die neue Platte der Dum Dum Girls nur gekauft, damit die Sammlung vollständig bleibt. Und eigentlich wollte ich sie auch nur nicht kaufen, weil ich vom Konzert in Frankfurt so enttäuscht war. Doch letzten Endes zählt die Musik.

Als “Too True” im Januar erschien, zögerte ich. Ich mochte bisher alle Platten der Band, aber irgendwie war ich auf eine kindliche Art und Weise enttäuscht, ja beinahe gekränkt, vom Konzert der Girls in Frankfurt. Die Kartenpreise waren hart an der Grenze, aber ok, die kommen ja nicht alle Tage, da zahlt man das ja mal. Es wurden alle Hits gespielt, die Mädels lieferten eine perfekte Show ab. Aber mehr eben auch nicht. Keine wirkliche Interaktion mit dem Publikum und daher auch kaum Emotionen. Schade. Die Platte ist trotzdem solide, wenn auch nicht sonderlich überraschend oder neu.

“Die großartigen Melodien, von denen es auf älteren Dum Dum Girls-Releases nur so wimmelte, sind seltener geworden, auch wenn Penny ihre Qualitäten als verführerische Pop-Performerin unbenommen bleiben. Doch vor allem ihre Lyrics treten auf der Stelle. Die Clique bekümmerter, unverstandener Teenager, von der sie singt, betitelt sie mal alsCult of Love, mal als Lost Boys and Girls Club, und bedient das „Good girl gone bad“-Klischee mit Zeilen wie „Why be good? / Be beautiful and sad / It’s all you ever had“ oder Titeln wie Trouble Is My Name etwas zu bereitwillig. An anderer Stelle singt sie „The void in my head / The hole in my heart / I fill them with things / which all fall apart“ und es stellt sich die Frage, wie solche Allgemeinplätze der menschlichen Emotionswelt derart unausgefüllt irgendjemanden berühren sollen. Man merkt deutlich, dass Penny die poetischen Fertigkeiten fehlen, die dafür sorgten, dass Texter wie MorrisseyIan Curtisoder Patti Smith, mit ihren ebenfalls höchst referenziellen Texten eigene Kapitel der Pop-Lyrik aufschlugen, statt vergangene noch einmal bloß zu wiederholen.” (Jan, Pop Crimes)

das größte geschenk auf ‘ too true ‘ ist allerdings die emotional zurückhaltende stimme und das verständnis dafür, wie sich klassische pop-musik anfühlen muss. es beginnt das zutrauliche und umarmende ‘ cult of love ‘, welches direkt zu beginn eine deutliche distanz zum früheren sound der dum dum girls zieht. auch ‘ are you okay ‘ und das wundervolle dramatische ‘ too true to be good ‘ leben von einer eisigen und beunruhigende wendung – zugleich durchscheinen kleine köstlichkeiten und aufblühende atmosphären die ansonsten kalte ästhetik. bewundernswert ist ebenfalls die detailtreue ihrer handwerkskunst, ein genuss für jedes ohr.” (Oh Fancy!)

Vor zwei Monaten wurde auch ein Kurzfilm veröffentlicht, in dem Dee Dee mitspielt und die Dum Dum Girls mit “Are You Okay” auch noch einen Track aus dem aktuellen Album beisteuerten. Die Geschichte dazu schrieb kein geringerer als Bret Easton Ellis (jemand möge doch bitte seinen Wikipedia-Eintrag um den Kurzfilm ergänzen), der sagt, er habe das aus reinem Fantum getan. 

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