Haldern Pop Festival 2014

Haldern Pop
Efterklang auf dem Haldern 2013.

Vorletztes Wochenende war ich im schönen Haldern, um zum zweiten Mal das noch schönere Haldern Pop Festival zu besuchen. Und trotz einiger Abstriche bleibt das Haldern eines der schönsten und einzigartigsten Festivals in Deutschland. Ein Protokoll.

Booking generell: Immer wieder für eine Überraschung gut. Auch wenn es für mich im letzten Jahr mehr “muss ich unbedingt sehen!”-Acts gab (Efterklang, Regina Spektor, Julia Holter), gab es auch dieses Jahr einige Überraschungen bei den Headlinern: So wie Patti Smith und Connor Oberst. Und die tollen First Aid Kit.

Bestes Konzert: Definitiv die Black Lips im Spiegelzelt. Sowieso eher ungewöhnlich, dass so eine Band auf einem doch eher “braven” Festival wie dem Haldern spielt, konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Nachdem wir zwei Stunden anstanden, dadurch zwei Konzerte verpasst und ordentlich nassgeregnet wurden, haben wir uns bis in die erste Reihe vorgeschoben. Und wurden belohnt: Ausnahmekonzert beim Haldern, gute Stimmung und ein sehr unterhaltsamer Cole Alexander, der der Kamerafrau an der Bühne direkt mal die Kameralinse ableckte.

Beste Band: The Fat White Family. Noch eine dieser Bands, die ich eigentlich nicht auf dem Haldern erwartet habe. Und die glaube ich teilweise selbst nicht wusste, warum sie überhaupt dort war. Die Mutter mit dem kleinen blondbezopften Mädchen mit den Hello-Kitty-Haargummies auf den Schultern wusste das glaube ich auch nicht. Da wurde barfuss gepogt mit beiden Zeigehfingern in der Luft “abgetanzt” (ironische Verwendung; für diese Art von Tanz ist dieses das einzige zutreffende Wort)und der Opa mit dem Batikshirt und den Birkenstocks kam am Ende nicht mehr aus dem Schreien raus. Top.

The Fat White Family

Neuentdeckung: Ought. Das sind drei US-Amerikaner und ein Australier, die zusammen in Montreal Musik machen. Und die sind dabei so experimentell und vielseitig, dass ich sie ungern in eine Schublade stecken möchte. Stichworte sind auf jeden Fall Noisy, Post-Punk-Rock und weiß ich nicht was. Vergleiche sind an dieser Stelle unangebracht, weil Ought so herrlich anders sind. Perfekt für das Spiegelzelt auf dem Haldern und direkt im Anschluss an das Konzert der Black Lips optimal platziert. Liebe Jungs von Ought, kommt bitte wieder ganz schnell nach Deutschland. Nach Frankfurt. Danke.

Leider verpasst: Grant Hart. Das schöne am Haldern Festival ist ja, dass irgendwie das ganze Dorf mit in das Festival eingebunden ist. Deshalb finden auch nicht nur Konzerte auf dem Festivalgelände, sondern auch an Off-Locations in Haldern, wie zum Beispiel der Haldern Pop Bar und einer Kirche statt. Das blöde am Haldern Festival ist, dass der Aufwand das Festivalgelände zu verlassen, meistens trotzdem zu groß ist. Und weil Grant Hart direkt am Donnerstag Abend spielte, habe ich das leider leider verpasst.

Wer auch noch erwähnt werden sollte: Honig. Honig gehören ja zum Haldern Festival wie die Ponys auf die Wiesen vom Niederrhein. Und Honig haben es definitiv verdient auf der Mainstage zu spielen – ich mag sie trotzdem lieber in einer etwas intimeren Umgebung und kleinerer Besetzung. Da hilft auch die Unterstützung von Jonas David nicht. Deshalb freue ich mich auch auf das Konzert am 8. Oktober im Ponyhof in Frankfurt und vergesse den verregneten Auftritt auf dem Haldern ganz schnell. 2014 wird das Jahr für Honig, da bin ich mir ziemlich sicher.

Fehlbuchung: Sam Smith. Wer ist eigentlich Sam Smith, fragte ich mich, bis ich “Money on my Mind” vorgesungen bekam. Bekannt aus Funk und Fernsehen. Joa. Anstrengender Singer-Songwriter aus England, dessen berühmtester Song “La La La” heißt. Sagt alles. Soulige Popmusik, glattgespült und dennoch glanzlos. Durfte selbstverständlich auf der Mainstage spielen – aber die besseren Konzerte fanden in diesem Jahr sowieso im Spiegelsaal statt.

Trend 2014: Spucken. Spucken und über das Spucken reden. So wie auf dem Fußballfeld wird auch auf der Bühne so richtig ordentlich “gerotzt”. Die ausgefeilteste Technik hatte da Cole Alexander von den Black Lips: Der spuckt in die Luft und fängt dann die Spucke mit seinem Mund wieder auf. Wahnsinn. Bei der Fat White Family haben glaube ich alle gespuckt. Patti Smith auch. Das fanden aber nur die Herren aus dem Ort neben uns schockierend.

Lieblingszeltplatznachbarn: Lieber Gabber-Peter, der du uns morgens um sieben mit deiner lauten Tekkno(!)-Musik aufgeweckt hast. Dein Musikgeschmack ist wirklich unterirdisch. Vielleicht solltest du es im nächsten Jahr mal wagen den Zeltplatz zu verlassen, und dir die wundervolle Musik auf dem Festival anhören. Da könntest du wirklich noch was dazulernen.

Nicht so schön: Konzerte im Spiegelzelt anzuschauen war nahezu unmöglich. Die Wartezeit bei beliebten Acts hat zeitweise sicher drei Stunden betragen und dann ist das Konzert halt auch irgendwann vorbei. Das war zwar auch schon im Vorjahr problematisch, aber durch den komplett verregneten Freitag hat es natürlich mehr Menschen als gedacht ins Spiegelzelt getrieben. Da muss definitiv eine andere Lösung her, auch wenn das Spiegelzelt ansonsten natürlich eine wunderschöne Location ist.

Noch mehr nicht so schön: Bei uns im direkten Umfeld von weniger als fünf Metern wurden zwei Zelte aufgeschlitzt. Nicht einfach “nur” eingebrochen – nein, die Leute wurden in der Nacht beim Schlafen im Zelt ausgeraubt. Bei einem Zelt wurde sogar der Eingang verschnürt, so dass die Leute nicht mal eben schnell hinterherrennen konnten. Möglichkeit: Künftig nur noch Leute mit Bändchen auf den Zeltplatz lassen und stärker kontrollieren. Auch nervig. Aber was mich dabei besonders ärgert: Auf dem Festivalgelände gab es verstärkte Polizeipräsenz und auch auf dem Zeltplatz sind zeitweise Polizisten mit Hunden(!) rumgelaufen. Scheint so, als würde die Orga ihren Fokus da auf etwas anderes legen. Auch bei den Einlasskontrollen wurden verstärkt Tabakbeutel durchsucht und nach dem eigenen Rauchverhalten gefragt. Hat da jemand Angst vor Kiffern? Ernsthaft? Kümmert euch lieber um die Diebstähle – das schadet dem Haldern weit mehr als ein bisschen Gras.

Und sonst so: War es einfach schön. Trotz Regen und so. Und nächstes Jahr sind dann wieder ein paar Kracher mehr dabei, ja? Haldern, ich komme wieder. ❤

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